72 Prozent der Content-Profis liegen falsch. Bist du dabei?
72 Prozent der Content-Profis liegen falsch. Bist du dabei?

Du hast vermutlich schon KI-Content produziert. Vielleicht viel davon. Vielleicht läuft gerade ein Workflow, der Texte in einer Geschwindigkeit auswirft, die sich vor drei Jahren noch nach Science-Fiction angefühlt hätte.
Gut. Nur eine Frage: Wirkt er auch?
80 zu 9. Das ist ein Urteil.
Semrush hat freundlicherweise 42.000 Blogbeiträge ausgewertet und 20.000 Keywords analysiert. Rein KI-generierter Content landet in neun Prozent der Fälle auf Position eins bei Google. Menschlich geschriebene Texte schaffen das in 80 Prozent der Fälle.
Man kann methodenkritisch werden, auf Nischen verweisen, Ausnahmen zitieren. Legitim. Ändert nichts am Grundprinzip. Wer auf Automatisierung setzt, spielt in einer anderen Liga. Einer, in der Position sieben schon als Erfolg gilt.
72 Prozent liegen falsch und das hat einen Grund.
Parallel zur Studie wurden SEO– und Content-Fachleute befragt. 72 Prozent glauben, KI-Content performen genauso gut wie menschliche Texte. Fast drei Viertel einer Berufsgruppe, die von Daten lebt, liegt in einer zentralen Frage nachweislich daneben.
Das ist, freundlich ausgedrückt, kognitive Dissonanz.
Wer über Monate den halben Redaktionsstab oder sein eigenes Denken durch Prompts ersetzt hat, will das rückblickend nicht als Fehler einordnen müssen. Das Gehirn ist in solchen Momenten sehr erfinderisch. Es findet Gründe, um sich nicht einzugestehen, dass etwas mehr Liebe für die eigene Sache (oder die ihrer Kunden) besser wäre. Es findet Gründe, und Relativierungen. Passt trotzdem, Hauptsache raushauen.
Was dabei gern übersehen wird: Auf Position eins steht kein Algorithmus. Da findet sich jemand, der sich hingesetzt und geschrieben hat. Merke: Effizienz und Effektivität sind nicht das Gleiche.
Wir optimieren für das Falsche.
- 70 Prozent der Befragten nennen Schnelligkeit als größten Vorteil von KI-Content.
- Nur 19 Prozent sagen, KI verbessere die Qualität.
Da steckt die eigentliche Geschichte.
Wir haben uns entschieden, für Tempo zu optimieren, und wundern uns dann, warum die Wirkung ausbleibt. Der Kurs stimmt nicht mehr, aber wir segeln schneller. Das endet selten gut, das wissen auch Seeleute. Mast und Schotbruch!

Mehr Output ist nicht mehr Relevanz. Wer täglich zehn Texte veröffentlicht, die niemanden wirklich erreichen, hat am Ende mehr produziert und weniger bewirkt als jemand, der zweimal pro Woche etwas schreibt, das hängen bleibt. Und den Schaden bei Google gibt es obendrauf.
Das betrifft längst nicht mehr nur Texte. Videos, die aus KI-generierten Skripten, synthetischen Stimmen und zusammengeklebten Stockmaterial-Loops bestehen, fluten inzwischen YouTube und Social Media. Wer täglich scrollt, hat dieses Format schon längst erkannt: glatte Sprecherprosa ohne Reibung, Schnitte ohne Rhythmus, Inhalte ohne erkennbare Haltung. Recycelter Output in bewegten Bildern ist trotzdem recycelter Output. Dass er läuft, bedeutet nicht, dass er wirkt.
Und jetzt wird es wirklich unangenehm.
Viele Kreative feiern gerade, dass KI nur Durchschnitt produziert. Als wäre das die Entwarnung. Sie haben recht auf Hoffnung. Und liegen trotzdem falsch.
Der menschliche Geist ist (noch) unschlagbar. Stimmt. Reicht aber oft trotzdem nicht.
Ein guter Texter, eine Redakteurin mit Urteilsvermögen, ein Konzepter, der weiß, was er tut – sie schlagen KI-Output. In der richtigen Aufgabe.
Aber nicht jede Aufgabe ist die richtige. Vieles in der täglichen Kommunikationsarbeit ist repetitiv: Produktbeschreibungen, FAQ-Texte. Kein kreativer Hochseilakt, sondern Handwerk auf Wiedervorlage.
Genau das machen Kunden jetzt selbst. Hauptsache fertig, Hauptsache billig. Und sie finden es ausreichend. Kleiner Reminder: in der Schule war das die Note 4.
Das ist nicht nur ein Problem für Agenturen.
Wer seine Kommunikation auf „ausreichend“ optimiert, sät das in seine Marke.
Und was dabei ins Netz geht, landet als Trainingsgrundlage für die nächste KI-Generation. Der produzierte Durchschnitt wird zur Vorlage. Die Vorlage senkt den Standard. Der gesunkene Standard wird wieder Vorlage.
Ein Rückkopplungskreis, der sich still schließt und auf deine Marke niederschlägt.
Das geht sogar in unsere Sprache über.
Das Max-Planck-Institut hat gemessen, wie KI-Vokabular unbemerkt in menschliche Sprache einsickert. Wörter, die vor ChatGPT kaum jemand benutzt hat, tauchen plötzlich überall auf. Wir passen uns an, ohne es zu merken. „Schwiegertochter gesucht“ lässt grüßen.

KI wird besser. Jeden Tag.
Wer heute feiert, dass Maschinen nur Durchschnitt produzieren, sollte das morgen nochmal prüfen, denn KI verbessert sich jetzt.
Den menschlichen Geist als Trutzburg zu feiern, während die Mauern jeden Tag dünner werden, ist keine Strategie. Und trotzdem – oder gerade deshalb – lohnt es sich, genau hinzuschauen, was KI tatsächlich kann. Und was eben nicht.
Sie strukturiert, recherchiert,. Sie spart mutmaßlich Zeit, die dann für etwas Sinnvolleres genutzt werden kann: das Urteil darüber, ob ein Text stimmt, ob er zur Marke passt, ob er im richtigen Moment das Richtige sagt. Genau das kann KI nicht. Entscheiden, was eine Zielgruppe wirklich bewegt, was an einer Marke unverwechselbar ist – das braucht Urteilsvermögen. Und Urteilsvermögen braucht Menschen, zumindest noch.
Wer menschliches Schreiben oder Contenterstellung als optionalen Feinschliff über einem KI-Skelett versteht, hat das Modell falsch herum gebaut.
Was eine Markenstimme ausmacht.
Sie entsteht durch konsequente Entscheidungen über Jahre: Was sagen wir? Was sagen wir bewusst nicht? Wie klingen wir, wenn es unbequem wird?
Das lässt sich beschleunigen. Delegieren lässt es sich nicht.
Wer die Stimme an einen Automaten übergibt, bekommt etwas zurück, das klingt wie alle anderen. Glatt und austauschbar. Eine Marke ohne eigene Stimme hat keinen Kurs. Sie treibt und wird vergesslich.
Zum Schluss.
Wenn dein Content viel produziert und wenig bewirkt, oder wenn deine Markenstimme irgendwo zwischen Tool-Update und Redaktionsplan verloren gegangen ist: kein neues Werkzeug hilft da weiter und Zeit spart die dein durchschnittlicher KI-Prompt auch nicht wirklich.
Fühlst du dich in dieser Situation? Dann lass uns gern reden. Von Mensch zu Mensch
Laut einer Semrush-Studie mit 42.000 ausgewerteten Blogbeiträgen: ja, deutlich. Rein KI-generierter Content landet in neun Prozent der Fälle auf Position eins, menschlich geschriebene Texte in 80 Prozent. Das bedeutet nicht, dass KI als Werkzeug nutzlos ist. Es bedeutet, dass unbearbeiteter Massenoutput selten funktioniert.
In der Praxis ja, wenn die Rollen klar sind. KI strukturiert, recherchiert und liefert Entwürfe. Menschen entscheiden, was davon stimmt, was fehlt und wie es klingen soll. Wer das umdreht, bekommt schnellen Output ohne Urteilsvermögen.
Weil Sprache ansteckend ist. Wer viel liest, übernimmt Rhythmus, Vokabular und Satzmuster, unbewusst. Das Max-Planck-Institut hat gemessen, dass Wörter aus dem ChatGPT-Standardvokabular in menschlicher Sprache seit dem KI-Launch messbar häufiger auftauchen. Kein Katastrophenszenario, aber ein klarer Hinweis, wohin die Reise geht, wenn niemand gegensteuert.
Haltung. Eine Markenstimme entsteht durch konsequente Entscheidungen darüber, was gesagt wird und was nicht, wie geklungen wird, wenn es unbequem wird, und was wirklich wichtig ist. Das lässt sich beschleunigen, aber nicht delegieren.
Ehrlich gesagt: Wir wissen es nicht. KI wird besser, schneller, überzeugender. Wer heute feiert, dass Maschinen nur Durchschnitt produzieren, könnte morgen überrascht sein. Was bleibt, ist das Urteilsvermögen darüber, ob etwas stimmt, passt und wirkt. Solange das gefragt ist, ist menschliches Denken im Spiel.
Quellen
Semrush: Does AI Content Rank in Search? Data Study – semrush.com/blog/does-ai-content-rank-in-search-data-study/
Max-Planck-Institut: Sprachliche Angleichung durch LLMs – arxiv.org/pdf/2409.01754
Interessiert dich mehr als das hier?
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