| Martina Stindt |

So wählst du die richtige Schriftart für deine Marke

Ein kleiner Wegweiser durch die Welt der Schriftarten, Typografie und Fonts.

Die meisten Schriftarten fristen ein einsames Dasein. In Textverarbeitungsprogrammen ist eine Standardschrift eingestellt, diese findet sich in 90 % aller Anschreiben wieder. Dabei bietet die weite Welt der Schriftarten einen eigenen kleinen Abenteuerspielplatz:

Eigentlich sind sie überall. Und wenn man genauer darauf achtet, besteht die Welt aus Zeichen und Formen. Diese helfen dabei Informationen zu übermitteln, zu erklären, Hinweise verständlich darzustellen. Schrift ist Kommunikation, es ermöglicht ein Miteinander. 

Wir wissen, wie die Zeitung morgens am Frühstückstisch aussieht, Informationstafeln am Bahnsteig aussehen oder dass zum Kindergeburtstag geladen wird, wenn eine bunte Einladung mit einer verspielt farbenfrohen Überschrift im Briefkasten ist.

Es gibt dabei ein paar Schriftarten, die jede*r bereits gesehen hat:
Die Garamond gehört zu einer der meist verwendeten Schriften im Verlagswesen. Weiter vorn dabei sind die Arial, Times New Roman und die Calibri (seit 2007 Standardschrift von Word). Dabei nicht zu vergessen: die Helvetica, die seit Jahrzehnten weltweit zum Einsatz kommt. Die 64 Jahre alte Lady hat sogar ein kleines Lifting erhalten und glänzt als Helvetica Now.

Der Einsatz der richtigen Schriftart trägt maßgeblich dazu bei, dass Informationen verstanden und in den richtigen Kontext gesetzt werden. Man stelle sich vor, wie eine Zeitung in einer schnörkeligen Schrift verhindert, wichtige Nachrichten schnell zu erfassen oder der Zug verpasst wird, weil die schmalen Striche von Buchstaben mit dem Hintergrund verschwimmen. 

Man könnte den Eigenschaften von Schriftarten eine ganze Serie widmen, aber wir haben das wichtigste für dich zusammengefasst:

Schriftarten, Typografie, Fonts?

Diese Begriffe werden häufig für ein und dasselbe genutzt, sagen aber unterschiedliche Dinge aus. Die Kurzform:

Schriftart

All das, was wir lesen und erfassen können besteht aus Zeichen, Buchstaben, Wörtern und Sätzen. Eine Schriftart kennzeichnet die grafische Darstellung einer Schrift. Es gibt Klassifikationen nach DIN Norm 16518, die eine Einordnung ermöglichen.

  • Mehrere Antiqua-Varianten, wie die Venezianische Renaissance-, Französische Renaissance- , Barock-, Klassizistische, Serifenbetonte und Serifenlose
  • Schreibschriften
  • Handschriftliche Antiqua
  • Gebrochene Schriften
  • Fremde Schriften (Hebräisch o.ä.)

Diese Merkmale und Unterscheidungen finden sich häufig im kleinsten Detail. Unterschiede, die auf einen Blick erkennbar sind: Gibt es Serifen oder ist sie serifenlos (häufig im Namen mit „sans”)? Handschriftlich oder gebrochen, sind die Strichstärken kontrastiert?

Typografie:
Die Typografie gliedert sich in Makrotypografie (Aufbau, Einsatz, Medium, Wirkung) und Mikrotypografie (Detailtypografie, Abstände, Buchstaben, …).

Fonts:
Eine Font ist die digitale Version einer Schrift zum Download.

Wie wähle ich die passende Schriftart?

Der Wahl der Schrift ist von der Information die du vermitteln möchtest und dem Medium abhängig. Sie sollte zu dir und deinem Markenauftritt passen und dessen Werte widerspiegeln. In gleichem Maße sollte auch deine Zielgruppe Beachtung finden.


1. Lesbarkeit

Sie steht über allem! Hier können Buchstabenabstand (Laufweite), Textlänge, Zeilenabstand (optimalerweise zwischen 120 –150 %) und die Länge der Zeilen unterstützen. Weißraum für das Auge ist ebenso wichtig und sorgt dafür, dass der Text gerne gelesen wird.

Bei diesem Punkt solltest du deine Zielgruppe im Hinterkopf haben: Wenn sie vor allem aus Senioren oder anderen Menschen besteht, die zu einer eingeschränkten Sehfähigkeit tendieren, sollte die Schrift darauf ausgerichtet sein.

2. Einsatzzweck
In welchem Medium wird die Schrift gezeigt? Es macht einen Unterschied, ob sie in Zeitungen, Magazinen und Flyern oder auf Großflächenplakaten und LKWs oder ob sie online zu sehen ist. Vielleicht soll sie auch auf verschiedenen Medien zu sehen sein? 

Online: Sollten an kürzere Texte und einen ausgewogenen Schriftschnitt gedacht werden. Durch den beleuchteten Hintergrund brechen Light- Schriftschnitte gerne weg und erschweren den Lesefluss. Von verschnörkelten und schlecht lesbaren Schriften sollte Abstand genommen werden (das gilt auch im Offline-Bereich, hier maximal für Headlines/Facts oder dem Anlass entsprechende Namen, bspw. Hochzeitskarten, …)

Offline dürfen längere Texte gesetzt werden, ohne dass das Auge die Zeile verliert. Auch hier ist auf einen ausreichenden Zeilenabstand zu achten. Die optimale Größe für den Fließtext liegt zwischen 9 und 12 Punkt, je nach verwendeter Schriftart.

3. Schriftenkombinationen
Es ist nicht verboten Schriften zu mischen – bestenfalls aus der gleichen Schriftfamilie. Dennoch sollten maximal (!) 3 unterschiedliche Schriften zum Einsatz kommen. Hier gilt: Weniger ist mehr. Generell können gewünschte Kontraste von Headlines und Fließtext auch durch verschiedene Schriftschnitte erzielt werden (also Fließtext Regular und die Headlines in bold setzen). Lange Fließtexte besser in Groß- und Kleinschreibung, Versalsatz (Großbuchstaben) erschwert den Lesefluss.

Es gibt hilfreiche Websites wie https://www.fontpair.co/, die dem geübten und weniger geübten Auge hilft, passende Kombinationen aufzuzeigen oder Inspiration zu sammeln.

Und nun?

Oftmals ist es hilfreich geeignet erscheinende Schriftarten nebeneinander zu setzen und zu beurteilen. Schnell wird deutlich, welche lesbarer und sinnvoller für den Einsatzzweck ist. Wenn es dir schwerfällt dich in deine Zielgruppe hinein zu versetzen und du dir unsicher bist, ist es hilfreich, mit wenigen Personen dieser Gruppe zu sprechen.

Anbieter wie unter anderem Google Fonts (kostenfrei; es gibt ebenso viele Shops für käuflich zu erwerbende Schriften) bieten eine Vielzahl an hochwertigen Schriften an. Dort besteht die Möglichkeit, sich kurze Sätze oder einzelne Wörter im Voraus anzeigen zu lassen. Das beste daran: Du kannst sie on- wie offline nutzen.

Wir listen dir unsere derzeitigen liebsten frei verfügbaren Schriften auf:

Open Sans


PT Sans


Lato 


Montserrat


Noto
kommt mit Serifen und serifenlos daher = super-Kombi


Playfair (meine bisher andauernde persönliche Sommerliebe seit 2019 für Headlines;))

Hier fehlt noch eine Headline

Es gibt mehr als „Nimm irgendeine Font” oder „Ist mir egal, da achtet kein Mensch drauf”. Darauf wissen wir zu antworten: Ja, es gibt wichtigere Dinge. Aber manchmal machen die kleinen Dinge den Unterschied. Und wir lieben es, auch den kleinen Dingen Beachtung zu schenken, um daraus das Fundament für starke Marken zu entwickeln. 

Du bist dir unsicher was deine Marke aussagen soll oder wofür du stehst? Dann schau gern in unseren Blogartikel über die richtige Positionierung.

Zu guter Letzt:
Bevor es einen Aufschrei gibt, dass ich einer Schriftart zu wenig Beachtung geschenkt habe und sie vermisst wird:

Die Comic Sans

Quelle: (24.06.2021, 11:30 Uhr)
https://www.memesmonkey.com/images/memesmonkey/23/234ba339862ff867ee7ce22b3613e9f4.jpeg

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Martina Stindt

Tel.: 0 49 21 / 999 67-206