| Kerstin Saathoff |

Darf es etwas mehr sein? 5 Veredelungstechniken, die du kennen solltest.

Du denkst Print ist tot? Dann denk nochmal darüber nach! Denn eine Sache haben Printprodukte den digitalen Medien voraus: durch besondere Papiere und hochwertige Veredelungen lassen sich einzigartige haptische Erlebnisse schaffen. Den Veredelungsmöglichkeiten um Printprodukte aufzuwerten sind kaum Grenzen gesetzt. Von Blind- und Heißfolienprägung, Lackierung, Stanzung bis zu Lasercut – es gibt die verschiedensten Verfahren zur Druckveredelung.

Wie diese genau funktionieren und für welchen Bereich sie geeignet sind stellen wir dir in diesem Blog-Artikel vor.

1. Blindprägung

Hier wird es dreidimensional! Die älteste Form der Druckveredelung lädt zum Anfassen ein, denn bei diesem Verfahren werden ausgewählte Elemente auf dem Produkt fühlbar hervorgehoben – entweder vertieft (Tiefprägung, siehe Titelbild) oder erhaben (Hochprägung). Zum Einsatz kommen Stempel bzw. ein Prägewerkzeug, welches anhand einer Vorlage erstellt wird. Dieses Werkzeug verformt dann unter Einsatz von Druck und Wärme zu bedruckende Material dauerhaft. Es sind verschiedenste Formen und Oberflächenstufen möglich.

Woher der Begriff Blindprägung? Blind heißt nicht „blind daher prägen“, sondern einfach, dass bei der Veredelung keine farbigen Folien oder Ähnliches eingesetzt werden und es dementsprechend keine zusätzliche visuelle Hervorhebung gibt. Wer die Wirkung aber stärker betonen möchte, der kann auf einen Farbunterdruck oder eine zusätzliche Lackierung zurückgreifen.

Die Besonderheit liegt klar auf in der Hand. 😉 Der haptische und plastische Effekt der veredelten Stellen ist einfach grandios! Hinzu kommt eine visuelle Wirkung der geprägten Flächen: der Kontrast von Licht und Schatten, der sich durch die Dreidimensionalität einstellt. Blindprägungen sind gerade bei edlen Visitenkarten oder Geschäftsausstattungen sehr beliebt. Wir durften diese Veredelungstechnik erst vor kurzem bei der Etikettengestaltung des neuen Graffé von Wein Wolff einsetzen.

Ein nicht ganz unwichtiger Aspekt: bei dieser Veredelungstechnik entsteht kein nachteiliger Einfluss auf die Umwelt.

2. Heißfolienprägung

Bling, Bling! Die Heißfolienprägung garantiert tolle optische und haptische Glanzeffekte! Auch dieses Schmuckstück zählt mit zu den ältesten Druckveredelungen überhaupt und ist zugleich noch eine der beliebtesten. Hierbei kommen die erhabenen Stellen des zu bedruckenden Materials in Kontakt mit einer Prägefolie. Die dünne Farb- oder Aluminiumfolie besitzt eine Transferschicht, die mittels Hitze übertragen wird. Diese Folie ist nur ein Trägermaterial und wird nach dem Applikationsprozess vom Produkt wieder abgelöst. Wie bei der Blindprägung wird für diese Veredelung ein Prägestempel benötigt, der die ausgewählten Bereiche in ihre Form presst.

Durch die Heißfolienprägung werden optisch auffallende Kontraste erzielt. Einerseits durch die geprägten bzw. ungeprägten Bereiche der Oberfläche, andererseits durch die aufgetragene Folie. Das Ergebnis kann man also nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Die beliebteste Wahl der Folien sind Metallic-Töne wie Gold, Silber, Roségold oder Hologrammfolie.

Die Heißfolienprägung findet vor allem bei hochwertigen, edlen Geschäftsausstattungen ihren Einsatz, aber auch bei Flyern, Postkarten und im Packaging-Design kann diese Veredelung zum Einsatz kommen, um eine hochwertige Qualität optisch zu unterstreichen. Hier können wir auch nochmal auf die Gestaltung des Graffé Etikett verweisen, da wurde neben der Blindprägung nämlich auch eine goldene Heißfolienprägung als Veredelung gewählt (ja, wir sind mega verliebt in dieses Etikett 😉 )

Graffé Wein Wolff

Auch hier spricht im Punkto Nachhaltigkeit nichts gegen eine Heißfolienprägung, denn die Folie dient nur als Trägermaterial, die nach der Übertragung wieder abgelöst wird. Die Recyclingfähigkeit von Papier, Schachteln & Co. wird dadurch nicht beeinträchtigt. Jedoch dürfen maximal 70% der Oberfläche veredelt sein.

3. Lackierungen

Vollflächige oder partielle Lacke sind weitere Veredelungsverfahren. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, von UV-Lack bis Glitzerlack.

UV-Lack

Vor allem UV-Lack, oft auch als Glanz- oder Spotlack bezeichnet, ist ein beliebtes Mittel, um Druckprodukte aufzuwerten. Die veredelten Flächen bzw. Elemente erhalten durch den Lack brillante Farben und einen besonderen Glanz.

UV-Lack besitzt einen Festkörperanteil von 100%, d.h. dem UV-Lack werden keine flüchtigen Substanzen wie Lösungsmittel oder Wasser beigemischt. Dadurch erhält er seine besondere plastische Wirkung. Die Festkörperteilchen bestehen meist aus Kunstharzen (wie Polyacrylaten) oder ungesättigten Polyestern.

UV-Lack heißt er übrigens aufgrund seiner Trockungsmethode. Nachdem der Lack mittels Siebdruck aufgetragen wurde, wird er unter UV-Licht in Sekundenschnelle gehärtet. Die veredelten Bereiche werden dadurch äußerst detailgetreu wiedergegeben. So können etwa einzelne grafische Elemente, wie zum Beispiel ein Logo auf einer edlen Visitenkarte, hervorgehoben werden. Auch das Lackieren von Bildern und Bildteilen sowie der gesamten Oberfläche ist möglich. Wird ein Lack in mehreren Schichten aufgetragen, sodass eine ertastbare dreidimensionale Wirkung entsteht, spricht man von Reflieflack.

Glitzer-Lack

Wer es noch etwas extravaganter mag, der trifft mit der Glitzer-Lackierung die richtige Wahl. Beim Glitzer-Lack handelt es sich um einen farblosen UV-Lack, dem Glitzerpartikel beigemengt sind. Diese Veredelung solltest du allerdings nur auf ausgewählten Bereichen, also partiell, verwenden.

Folienkaschierung

Oftmals ist bei bestimmten Produkten das Aufbringen von transparentem Lack ein Standard, um das Druckergebnis langlebiger zu machen. Hier spricht man von der sogenannten Folienkaschierung. Diese Veredelungstechnik gibt es in Glanz, Matt oder Softtouch. Nach dem Druckvorgang wird einfach die Folie mit Kleber vollflächig auf den Bogen aufgebracht. Gerade wenn Produkte durch viele Hände gereicht werden (wie z.B. Flyer, Visitenkarten oder Broschüren), ist diese Methode dank der längeren Haltbarkeit empfehlenswert.

Duft-Lack

Abschließend … Mmh wonach riecht es hier plötzlich? Genau, Duftlack! Wer besonders aus der Masse herausstechen möchte, kann diese Veredelungstechnik für seine Produkte verwenden. Der Duftlack besteht aus Kunstharz und wird auf das Produkt als oberste Schicht aufgetragen. Durch Reibung oder leichten Druck platzen winzige Kapseln auf, die einen Duft freisetzen. Dabei ist die Wahl des Duftes beinahe unbegrenzt: Frühlingswiese, Magnolie, Himbeeren, Oregano, Pfeffer, Holz, Tanne, Bratapfel, Salami, Popcorn, Brot, Zahnarzt … sollen wir noch weiter aufzählen? 😉

4. Stanzung, Lasercut

Durch eine Stanzung werden nicht nur Einblicke in die Tiefe erlaubt, sondern auch verschiedene Ebenen erzeugt, die beim Betrachter Neugierde wecken. Neben klaren Linien sind ebenso Rundungen, Zacken und Muster möglich. Dabei wird die erforderliche Stanztiefe dem jeweiligen Trägermaterial angepasst.

Ab bestimmten Maßen stößt man beim Stanzen allerdings an seine Grenzen, denn die Stanzformen sind für sehr feine Muster nicht mehr geeignet. Diese lassen sich jedoch mit dem Laser erstellen. Beim Lasercut lassen sich feinste filigrane Aussparungen im Papier realisieren. Mithilfe unterschiedlicher Hitzegrade kann das Papier auch in verschiedenen Tiefen ausgefräst werden. Aber nicht nur Papier ist für diese Veredelungstechnik geeignet, sondern auch Metallbleche, Holz oder andere organische Materialien (einer gewissen Hitzebeständigkeit vorausgesetzt).

Quelle: Behance

5. Lentikulardruck

Ventiku … Nukular … Lentiku was? Lentikulardruck ist auch noch eine erwähnenswerte Veredelungsmethode und das nicht nur, weil sie bei einem unserer Chefs besonders hoch im Kurs steht 😉 Wackelbilder, Animation, Zoom, Morphing, 3D – mittels Lentikulardruck lassen sich lustige optische Täuschungen erzielen.

Die Anwendungsgebiete sind vielfältig – egal ob als Poster, Flyer, Postkarte oder Visitenkarte. Das Geheimnis steckt in exakt ineinander montierte Bildvarianten und einer darüber geklebten Linsenrasterfolie. Für den Lentikularbereich gibt es unterschiedliche Folienstärken, um die jeweiligen Effekte bestmöglich darzustellen. Auf der Vorderseite der Folie befinden sich die fühlbaren Linsen. Je nach horizontaler oder vertikaler Richtung bestimmen diese den Effekt.

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Welche Technik sich für welchen Bereich und welches Produkt am besten eignet, hängt nicht nur von der gewünschten Wirkung ab, sondern auch von der Beschaffenheit des zu bedruckenden Materials. Deshalb sind ein ausführliches Vorgespräch mit deiner Produktionsagentur oder deinem Druckdienstleister und ein Testdruck empfehlenswert. (Wir helfen dir da gern weiter!)

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Kerstin Saathoff

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